SeiLeise – Street Art / Interview mit dem Künstler Tim Ossege

sei leise regina nussbaumDer Kölner Künstler Tim Ossege sprüht seit über 10 Jahren mit Farbe seine Botschaften. Inzwischen setzt er mit seiner Kunst auch international unter dem Label SeiLeise neue Maßstäbe in der Street Art. Mit seinen poetisch-emotionalen Werken macht er auf soziale, politische und ökologische Missstände aufmerksam und berührt die Betrachter auf seine ganz eigene Weise. Wie dieses Kunst-Projekt entstanden ist und was Tim Ossege dazu inspiriert, erfahrt Ihr im Künstler-Interview mit unserer Redakteurin Regina Nußbaum.

Regina Nußbaum: „Seit wann beschäftigst du dich mit Kunst?“ 

Tim Ossege: „Stift und Papier sind mir schon mein ganzes Leben treue Begleiter. Was meine eigene aktuelle Tätigkeit betrifft, verschwimmen die Grenzen zwischen Liebhaberei und Kunst, weshalb ich nicht in der Lage bin, zu bewerten, geschweige denn, ein zu ordnen, wo das eine aufhört und das andere vielleicht beginnt und wo sich in all dem mein Platz befindet. Das können Außenstehende vielleicht besser beurteilen.

Was mein künstlerisches Allgemeinwissen betrifft (Kunststile, historische Einordnung und anderes), bin ich eher uninteressiert und ungebildet. Ich habe eine Affinität für schöne Dinge wie Möbel, Architektur, Grafik. Als Museumsgänger gibt es für mich „gefällt mir oder gefällt mir nicht“ und ich bin im nächsten Moment schon wieder auf dem Heimweg und tauche in meine eigene Welt ab.“

Regina Nußbaum: „Wie kamst du auf deinen Claim SeiLeise?“

Tim Ossege: „Die Arbeit unter einen Synonym ist gängige Praktik in der Street Art. Eine bleibende Erinnerung an meinen sehr kurzen Ausflug in die Graffiti Szene, der auch den ersten Kontakt mit dieser Kunstrichtung markiert und gleichzeitig vor allem eine sichtbare Grenze zum privaten Menschen hinter der Arbeit zieht. Synonyme mit denen man sich identifiziert, wachsen über einen Zeitraum, beinhalten Charakterzüge, beschreiben Tätigkeiten und Praktiken. So bin ich bei seiLeise gelandet.“ 

Regina Nußbaum: „Wie entstehen deine Werke und was inspiriert dich dazu?“

Tim Ossege: „Ich habe den Anspruch, komplexe politische und gesellschaftliche Themen in verständliche Grafiken zu verdichten, dabei dem Betrachter ausreichend Interpretationsspielraum zu lassen, um den eigenen Gedanken-Apparat anzustrengen.

Dafür braucht es zum einen Interesse am Weltgeschehen und zum anderen die handwerklichen Fertigkeiten, sich der Werkzeuge der Werbeindustrie zu bedienen, die mit ähnlichen Mitteln arbeitet, um Botschaften in die Welt zu tragen.“

Regina Nußbaum: „Welche Materialien verwendest du?“

Tim Ossege: „Ich träume davon, in meine Werkstatt zu gehen und alle Werkzeuge vorzufinden, um Gedanken sofort umsetzen zu können ohne an praktische Grenzen zu stoßen. Meine kleine Werkstatt ist sehr voll mit unterschiedlichen Werkstoffen und Werkzeugen und ich habe noch lange nicht alles. Meinen Vorstellungen sind keine Grenzen gesetzt. Ich bediene mich aller Werkzeuge, digital und analog, die mir helfen, meine Gedankenwelt sichtbar zu machen.“ 

Regina Nußbaum: „Wo hast du bereits Werke von dir platziert?“

Tim Ossege: „Überall da, wo Street Art sich zu Hause fühlt und ich auf Entdeckungstour mal vorbei gekommen bin: Berlin, Hamburg, München, Paris, London, Amsterdam, Lissabon, Porto, Bonn, Düsseldorf, Köln und an anderen Orten.“ 

Regina Nußbaum: „Gibt es für dich Tabu-Themen, die du nicht künstlerisch interpretierst?“

Tim Ossege: „Eigentlich gibt es das nicht. Alles, was ich im öffentlichen Raum für darstellbar halte und was mich beschäftigt, wird auch visualisiert. Es ist zentraler Bestandteil dieser Bewegung, Tabu-Themen auszusprechen und die Welt damit zu konfrontieren.“ 

Regina Nußbaum: „Welche Projekte planst du in nächster Zeit?“

Tim Ossege: „Ich folge dem Weg weiter, den ich schon seit vielen Jahren gehe. Über das, was vielleicht noch voraus liegt, rede ich nicht, da ich es noch nicht erreicht habe und überhaupt nicht klar ist, wie der Weg vor mir ausschaut.“

Regina Nußbaum: „Vielen Dank für das Gespräch und gutes Gelingen bei deinen Projekten!“

www.seiLeise.com

Text + Foto: ©Regina Nußbaum
Foto: Tim Ossege, © Regina Nußbaum

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